Das kleine Einmaleins

des Azubimarketings

Viele Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, qualifizierte Nachwuchs- und Fachkräfte zu finden. Dabei stehen vor allem kleine und kleinste Betriebe mit großen Industriebetrieben oder Verwaltungen im harten Wettbewerb um die Auszubildenden. Um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu gewährleisten, wird das Thema Azubimarketing daher immer wichtiger. Doch was ist Azubimarketing und wie genau setzt man es um?

Was ist Azubimarketing?

Beim Azubimarketing, auch Ausbildungsmarketing genannt, handelt es sich um eine spezielle Recruiting-Strategie. Ziel ist es, durch unterschiedliche Instrumente und Maßnahmen freie Ausbildungsplätze mit talentiertem Nachwuchs zu besetzen und diese bestenfalls an das Unternehmen zu binden. Soviel zur Theorie. Doch wie genau setzt man Auzubimarketing um?

Was und wen wollen Sie durch Azubimarketing erreichen?

Wie bei jeder Strategie sollten Sie sich am Anfang Zeit nehmen, um die Ziele des Azubimarketings zu bestimmen und die Zielgruppe(n) zu definieren. Wollen Sie beispielsweise die Anzahl der Bewerbungen erhöhen oder die Quote der geeigneten Bewerber steigern? Oder wollen Sie vielleicht ganz spezifisch nur Schüler aus der Region ansprechen? Diese letzte Frage bringt uns auch schon zum zweiten wichtigen Element der Marketing-Strategie: Die Definition der Zielgruppe(n). Hierbei ist zu beachten, dass potenzielle Auszubildende nicht nur Schüler, Abiturienten oder Studierende umfasst. Auch Schul- und Studienabbrecher können Stärken und Potenzial für eine Ausbildung mit sich bringen. Zudem sollten wichtige Multiplikatoren wie Familie, Eltern, Lehrer, Freunde und Beschäftigte nicht außer Acht gelassen werden. Haben Sie erstmal Ihre Ziele und Zielgruppe(n) definiert, können entsprechende Maßnahmen und Instrumente entwickelt und die relevanten Kommunikationskanäle ausgewählt werden.

Auf welchen Kanälen wollen Sie potenzielle Azubis erreichen?

Um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen, steht auch immer die Frage nach den geeignetsten Kanälen im Raum. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke sind die Möglichkeiten der Ansprache fast unbegrenzt. Hier kommt neben Facebook, Instagram, WhatsApp, LinkedIn, Xing, den gängigen Stellenportalen sowie der Unternehmenswebsite auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Influencern, Verbänden, der Agentur für Arbeit oder auch der IHK ins Spiel. Bei dieser Vielfalt ist es schwer den Überblick zu behalten. Daher sollte sich jedes Unternehmen Zeit für eine umfassende Zielgruppenanalyse nehmen. Antworten zu den Fragen, wo sich die Zielgruppe informiert, was diese interessiert, welche App gerade genutzt wird und was sie anspricht, sind durch die Analyse schnell gefunden.

Welche Themen interessieren zukünftige Azubis?

Jede Generation hat meist andere berufliche Bedürfnisse und Vorstellungen als ihre Vorgängergeneration. Doch wie steht es um die Generation Z, also die Nachfolger der sogenannten Millenials? Beispielsweise spielt für die Generation Z die „Work-Life-Balance“ für eine große Rolle sowie die Selbstverwirklichung und die beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Das Gehalt ist schon lange nicht mehr der alleinige Grund, sich für oder gegen ein Unternehmen zu entscheiden. Auf diese Aspekte gilt es einzugehen und die Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens zu kommunizieren. Heutzutage wünschen sich Auszubildende tiefgehende Informationen darüber, wie sich Ihr Unternehmen von den Wettbewerbern abhebt und welche Vorteile und Weiterentwicklungschancen es gibt. Geben Sie daher realistische Einblicke in das Unternehmen, um unrealistischen Erwartungen entgegenzuwirken. Stellen Sie zudem die Ausbilder vor und lassen Sie auch aktuelle Auszubildende sowie Mitarbeiter zu Wort kommen. Sie alle agieren als authentische und glaubwürdige Botschafter für das Unternehmen.

Welche Maßnahmen und Instrumente stehen Ihnen zur Verfügung?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ideen und Instrumente gibt es viele, dabei spielen digitale wie analoge Maßnahmen eine gleichwertige Rolle. Ein Azubiblog auf der Unternehmenswebsite beispielsweise ist für interessierte Bewerber spannend und ermöglicht zudem aktuellen Auszubildenden, eigenverantwortlich Projekte umzusetzen. Auch regelmäßige Kurz-Videos vom Ausbilder selbst sind eine gute Möglichkeit, sich zum einen persönlich vorzustellen und zum anderen Einblicke in das Unternehmen zu bieten. Weiterhin sollten Unternehmen Ausbildungsangebote auf speziellen Azubi- und Karrierewebseiten sowie auf Portalen für Stellenanzeigen schalten. Dabei spielen Inhalte, welche die Informationsbedürfnisse der Zielgruppe erfüllen, die tragende Rolle für den Erfolg der (online und offline) Anzeigenkampagne. Da Auszubildende oft auch den persönlichen Kontakt zu zukünftigen Ausbildern suchen, bieten sich nach wie vor überregionale Ausbildungs- und Karrieremessen an, regionale Angebote der IHK und HWK sowie Firmenveranstaltungen wie der „Tag der offenen Tür“, Azubi-Speed-Dating oder Schnupperpraktika für Schüler.

Fazit

Ob digital oder analog, für ein effektives Azubimarketing ist der Marketing Mix entscheidend. Dabei sollten alle Maßnahmen mit den Unternehmensressourcen abgeglichen werden. Wichtig ist auch, dass Sie frühzeitig das Interesse potenzieller Bewerber an einer Ausbildung bei Ihnen wecken. Schauen Sie dabei nicht nur auf Wunsch-Azubis, sondern auch auf Schul- und Studienabbrecher sowie auf Multiplikatoren wie Eltern, Lehrer und Mitarbeiter. Bieten Sie zudem bereits auf Ihrer Unternehmenswebseite realistische Einblicke in das Unternehmen, sei es durch einen Blog oder Kurz-Videos und geben Sie in Ausbildungsanzeigen Antworten auf Fragen bezüglich beruflicher Perspektiven.

Bild: ©martin-dm/Getty Images

Tina Schäfer

Tina Schäfer

Tina Schäfer ist Expertin für Employer Branding und digitale Kommunikationsstrategien.

Als Unit Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Vogel Corporate Media GmbH, berät sie Marken und Unternehmen im Bereich Employer Branding und unterstützt sie bei der Entwicklung einer positiven Arbeitgebermarke. Zudem konzipiert sie digitale Kommunikationsstrategien für die interne und externe Unternehmenskommunikation.