Per Swipe zum neuen Job

So gewinnen Sie Bewerber via Mobile Recruiting

Bereits 76% der Jobsuchenden nutzen ihr Smartphone für die Jobsuche1, der Wunsch nach einem durchgängig mobilen Bewerbungsprozess liegt da nicht fern: Laut der Studie „Recruiting Trends 2018″2 haben bereits über die Hälfte der Befragten notwendige Bewerbungsunterlagen auf dem Handy hinterlegt um diese – vorausgesetzt die Möglichkeit ist gegeben – schnell und ohne großen Aufwand versenden zu können. Denn die Generation der Millennials ist ganz selbstverständlich mit Mobilgeräten aufgewachsen und setzt Digitalität voraus. Unternehmen und Personalabteilungen sollten sich langfristig mit diesen veränderten Bedürfnissen und den damit einhergehenden Auswirkungen auf die Jobsuche dieser Generation auseinandersetzen. Doch was bedeutet Mobile Recruiting genau und welche Tools und Formate werden genutzt?

Was ist Mobile Recruiting?

Mobile Recruiting, ein Bestandteil des E-Recruiting, bezeichnet die Personalbeschaffung und Jobsuche via Smartphone oder weiteren mobilen Endgeräten wie z.B. Tablets. Durch die verbreitete Nutzung von mobilen Devices in allen Altersgruppen verspricht diese Form des Recruitings eine erhöhte Reichweite. Dabei gibt es unterschiedliche Methoden und Vorgehensweisen. Die Basis des erfolgreichen Mobile Recruitings ist zunächst eine mobil optimierte Karriere-Webseite. Darüber hinaus gibt es noch vielfältige spannende Möglichkeiten für Ihr Unternehmen. Auf die folgenden drei aktuellen Trends des Mobile Recruiting sollten Sie einen genaueren Blick werfen.

One-Click-Bewerbungen

One-Click-Bewerbungen sind genau das, was ihr Name verspricht: Sie ermöglichen es Bewerbern, mit nur einem Klick ihre Unterlagen direkt an das Wunschunternehmen zu senden. Durch die schnelle und einfache Handhabung dieser Bewerbungsform positionieren Sie sich einerseits als innovativer Arbeitgeber, andererseits können Sie bei potenziellen neuen Mitarbeitern punkten und somit mehr Bewerbungseingänge generieren. Interessierte können unmittelbar und ohne viel Aufwand auf Ihr Stellenangebot reagieren – ob am Morgen in der Bahn oder bequem von der Couch aus. So gehen Sie auf die Bedürfnisse junger Bewerber ein, die einen unkomplizierten Bewerbungsprozess voraussetzen. Besonders empfehlenswert ist die zusätzliche Option, Bewerberdaten automatisch in Ihren Bewerber-Pool übertragen zu können.

Eine Herausforderung dieses Verfahrens – sowohl für Recruiter als auch Bewerber – ist die mangelnde Individualisierung der Unterlagen. Die Studie „Recruiting Trends 2018“ zeigt, dass fast 60% der Bewerber einen Nachteil des One-Click-Verfahrens darin sehen, dass Bewerbungen schwerer individuell gestaltet werden können. Dies bedeutet für Sie, im ersten Schritt weniger und gegebenenfalls auch minder aussagekräftiges Material als Basis für Ihre Entscheidungen vorliegen zu haben. Andererseits ist es Ihnen durch das standardisierte Vorgehen leichter möglich, Bewerber direkt miteinander zu vergleichen und unterschiedliche Designs lenken Sie nicht vom Wesentlichen ab.

WhatsApp und Co.

Eine weitere Möglichkeit zur Kommunikation mit Bewerbern sind Messenger-Dienste wie beispielsweise WhatsApp. Vor allem für die Generation Z spielen diese eine große Rolle und drängen mittlerweile sogar Facebook in den Hintergrund. SMS oder Telefonate hingegen werden von den Millennials mittlerweile kaum noch genutzt.

Für Sie als Unternehmen stellen diese Kommunikationskanäle in der Anschaffung günstige und leicht bedienbare Recruiting-Methoden dar. Außerdem ermöglicht es die Unterhaltung in Echtzeit und eine sehr persönliche Ansprache, welche durch Fotos oder Videos aus Ihrem Unternehmen unterstützt werden kann. Jobanwärtern geben Sie so die Möglichkeit, schnell und einfach Kontakt mit Ihnen aufzunehmen, denn darauf wird viel Wert gelegt. Dabei ist es wichtig zu beachten: jeder Kommunikationskanal löst bestimmte Erwartungen bei den Bewerbern aus. Schnelles Reagieren und Antworten sind die Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation über WhatsApp. Um diesen Kanal im Austausch mit den Millennials authentisch zu nutzen, sind ausreichend personelle Ressourcen und manchmal auch Schulungen nötig.

Bevor Sie WhatsApp in Ihren Recruitingprozess integrieren, sollten Sie sich immer die Frage stellen, ob diese Dialogform zu Ihrem Unternehmen und Ihrer Branche passt. Denn der Umgang mit den Bewerbern gestaltet sich hier individueller und weniger formell. So fällt der Schreibstil beim Instant-Messaging meist locker aus und lange förmliche Antworten sind nicht gewünscht. Es gilt, den goldenen Mittelweg zwischen Professionalität und ungezwungener Unterhaltung zu finden.

Bewerbung per App

Bei der Bewerbung via App gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen: die Unternehmens-App, welche viele großen Firmen bereits integriert haben, oder die Verfügbarmachung der eigenen Stellenanzeigen für Apps von Stellenbörsen. Truffls, StepStone oder Monster sind ein paar dieser Anbieter. Die Funktionsweise ist leicht und orientiert sich an den Nutzungsgewohnheiten junger Generationen: Monster beispielsweise bedient sich der aus Dating-Anwendungen bekannten Swipe-Technologie. Per Swipe können Bewerber so ihre Daten automatisch an das jeweilige Unternehmen senden. Ein vorab programmierter Filter zeigt Bewerbern nur die für sie relevante Stellenanzeigen. Die Kandidaten, die positiv auf Ihre Anzeige reagiert haben, werden Ihnen automatisch im personalisierten Dashboard ausgespielt und können direkt von Ihnen kontaktiert werden. Sehen Sie diese Form der Ansprache – wie beim Dating – als erstes Kennenlernen, auch wenn gegebenenfalls noch nicht alle Unterlagen ad hoc vorliegen.

Einige Unternehmen entwickeln sogar eine eigene Recruiting-App. Diese ermöglicht ein individuelles Design und kann beispielsweise die Inhalte der Karriereseite des eigenen Unternehmens widerspiegeln. Die Entwicklung einer eigenen App ist jedoch erst ab einer gewissen Unternehmensgröße ratsam, da die Programmierung kostenintensiv und sehr zeitaufwändig ist. Für Mittelständler ist es ratsam, sich vorrangig auf die ansprechende Gestaltung einer mobilfähigen Karriere-Webseite zu konzentrieren.

Fazit

Die Möglichkeiten des Mobile Recruiting werden aktuell erst von wenigen Unternehmen ausgeschöpft – nutzen Sie diese Situation und verschaffen Sie sich einen Wettbewerbsvorteil. Die mobile Form der Personalbeschaffung bedeutet dabei nicht nur, sich auf technischer Ebene mit neuen Maßnahmen auseinanderzusetzen, sondern erfordert auch ein Umdenken hinsichtlich gängiger Recruiting-Prozesse. Seien Sie für Kurzbewerbungen oder die Kontaktaufnahme via Social Media offen. Grundsätzlich gilt: Je kürzer, direkter und unkomplizierter der Bewerbungsprozess für die Jobsuchenden gestaltet ist, desto besser stehen die Chancen für Ihr Unternehmen, eine Vielzahl an Bewerbern zu generieren.

Bild:
©Todor Tsvetkov/Getty Images

Text:
1 Letzjährige Recruiting Studie von meinestadt.de
2 Von Monster beauftragte Studie

Tina Schäfer

Tina Schäfer

Tina Schäfer ist Expertin für Employer Branding und digitale Kommunikationsstrategien.

Als Unit Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Vogel Corporate Media GmbH, berät sie Marken und Unternehmen im Bereich Employer Branding und unterstützt sie bei der Entwicklung einer positiven Arbeitgebermarke. Zudem konzipiert sie digitale Kommunikationsstrategien für die interne und externe Unternehmenskommunikation.